Eines Tage besuchte ich wieder, einen guten Freund. Hugo heißt er. Ein ruhiger gelassener Mensch, der wie es scheint alles geregelt hat. Seit vielen Jahren ist er mit seiner Hilde zusammen.
Heute ist alles anders. Hugo wühlt in den Kleidern seiner Frau herum. Er knurrte nur, als ich wie immer mit einem freundlichen Hallo Hugo hereinkam. Er schaut ganz verändert aus. Kein gemütliches Hallo Bernt wie geht's so. Bert, sagt er ziemlich schroff, heute weiß ich jede Minute in Deinem Leben ist kostbar. Bernt verstehst Du mich!
Noch nie habe ich Hugo so erlebt.
Ja jeder Moment in Deinem Leben ist kostbar, wiederholt er sich. Schau Dir dieses Kleid an, feinster Samt oder das, reine Seide, natur gefärbt von Hand. Wir werden es groß, ausführen. Ja wir sprachen letzte Weihnachten noch davon. Sein lautes sprechen wechselte plötzlich in ein lautes weinen. Daraus wird nichts mehr. Schreit er.
Die Tränen rinnen ihm über sein Gesicht. Da fällt mein Blick auf den Tisch. Auf den Tisch liegt die Todesmeldung von Hilde.
Bernt Du weißt wie oft wir mit Wolfgang über das Hier und Jetzt gesprochen haben, über dass, das Alles Grenze ist. Das hat sich alles so irgendwie abgehoben angehört, auch wenn uns Wolfgang das etwas realer hat erklären wollen, mit dem Gefühl und so. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir über Grenzen Witze machten. Ja ich meinte er sollte das etwas lustiger bringen. Ich habe glaube ich nichts verstanden, als er meinte: Alles hat einen Anfang und ein Ende. Ja, ja ist schon klar habe ich gesagt. Er hat gemeint es gibt Grenzen die können weh, richtig weh tun. Morgen ist die Beerdigung von Hilde. Ja das ist weh tun. Weh weil wir die Grenze eigentlich gesehen haben, und sooft die Augen davor zugemacht haben. Vielleicht hätten wir auch das Kleid noch ausgetragen, hätten uns uns voneinander verabschiedet, hätten die Grenze erkannte an der wir sind. Dann hätten wir wohl keine Witze über die Grenze gemacht. Die Grenze an der wir, in unseren kostbaren Leben, immer stehen, im Hier und Jetzt.
Ich weiß dass sie da ist. Ich glaube ich spüre sie. Doch ich kann sie nicht greifen. Ich kann sie nicht greifen weil es da keine Grenze gibt. Du erinnerst Dich Wolfgang sprach so oft von der Grenze. Doch erst an der Grenze erkennt man Grenze. Wie oft hat er diesen Satz wiederholt? Wie oft hat er mir gesagt ich soll mir ernsthaft über die Grenzen klar werden, damit ich sie wenn ich sie sehe lustig finde. Wenn ich hingegen, wie wir es gemacht haben das nur lustig empfand zeigt sich die Grenze sehr ernst.
Grenze tut weh, ich sag Dir das Bernt, sehr weh, ich habe sie gesehen und die Augen zugemacht. Ich habe sie gespürt und das Gefühl weg geschoben. Ich habe sie auch gehört, denn wir habe auch darüber gesprochen, doch habe ich meine Ohren verschlossen. Jetzt darf ich sie riechen und schmecken.
Bernt kommst Du auch morgen? Bitte ja.
Die Türe geht auf, Wolfgang kommt herein. Wir schauen ihn an mit einem Blick wieso bist Du jetzt da? Schweigend umarmt er Bernt. Schweigend gibt er mir die Hand. Er deute uns dass wir uns setzen sollen. Er öffnet seine Tasche nimmt eine Kerzeleuchter mit Kerze heraus und züdet sie an. Wir drei sitzen im Kreis, in der Mitte die Kerze. Wolfgang gibt bernt und mir die Hand. Ich gebe darauf Bernt die Hand. Das habe wir immer gemacht, nur jetzt fehlt Hilde. Jetzt lachen wir nicht, wie wir immer gelacht haben, und gemeint haben wozu immer das mit dem Kreis und dem Hand halten... Wir halten die Hände, es ist still. Am liebsten würde ich schreien, weinen, doch nichts dergleichen. Mir falle alle die vielen Gelegenheiten ein wo wir einander getroffen haben. Doch das jetzt ist andres. Anders, wie oft hat Wolfgang über anders gesprochen, und es war für und lustig. Jetzt ist es anders, auch wenn die Kerze so brennt wie sie immer brennt. Wolfgang atmet ganz langsam und ruhig, er hä,lt noch immer meine Hand, und die Hand von Bernt. So halte ich noch immer Bernt's Hand. Wie lange wollen wir hier so sitzen denke ich. Ich wage keien Ton zu sagen. Ich schaue nur. Ich schaue Bernt an, ich schaue Wolfgang an, ich frage mich was jetzt.